Greizer Gemeinde feiert 50 Jahre Jehmlich-Orgel

Dieser Sonntag stand mit mehreren Veranstaltungen ganz im Zeichen des 50-jährigen Orgeljubiläums. Die Orgel erklang in ganz verschiedenen Facetten, wodurch sowohl „Große“ als auch „Kleine“ unter den zahlreichen Besucher feststellten, dass Orgelmusik durchaus begeistern kann.

Kein Kult um die Orgel, aber gegen das Vergessen

Im Festgottesdienst am Vormittag ging der Bezirksältester Thomas Blank auf dieses Jubiläum ein und betonte, wie wichtig das Orgelspiel für die Gottesdienstgestaltung ist. Dabei, so erwähnte er, machen wir keinen Kult um die Orgel, sondern wollen vielmehr daran erinnern, welche große Handwerkskunst diese Klangvielfalt ermöglicht. Es darf beim Erklingen der Königin der Instrumente nicht vergessen werden, dass viele Opfer aus den Gemeinden notwendig waren. Wir wollen auch dankbar für die Vielzahl an Orgelspielern sein. Gemeinsam mit dem Gemeindechor oder der Soloklarinette, gespielt vom Gemeindemitglied Sebastian Kulenkampff, zeigte der Schleizer Organist, Diakon Stefan Kothner, zu welchen musikalischen Klangfarben die 808 Pfeifen erklingen können, u.a. bei J. S. Bachs „Jesu bleibet meine Freude“.

Nach dem Gottesdienst fand eine Orgelmatinee statt. Hierbei erklang Orgelmusik aus dem über zweihundertjährigen traditionellen Umfeld der Dresdner Orgelbaufirma. Gekonnt registriert war u. a. beim Trio in G-Dur von H. N. Gerber das Zusammenspiel von Geige, Oboe und Cello wahrzunehmen. Stefan Kothner erklärte jeweils die kleinen Orgelwerke. So erfuhren die Zuhörer z. B. einiges vom „sächsischen Orgelkönig“ J. G. Schneider aus dem 19. Jahrhundert.

Der Nachmittag dieses Festtages begann mit der Aufführung der „Orgelmaus“. Stefan Kothner erläuterte der neugierigen Orgelmaus (Steffen Lorenz mit einer Mausmarionette) in einem kindgerechtem Dialog viel technisch und musikalisch Wissenswertes über die Orgel. Er führte u. a. auch ganz verschiedene Orgelpfeifen vor. Die anwesenden Kinder konnten außerdem noch Fragen stellen. Spätestens hier wurde deutlich, dass das Orgelspiel nicht nur feierliche oder ernste, sondern auch lustige, moderne Musik sein kann. Anschließend nutzten einige Besucher die Möglichkeit, selbst einmal die 13 Register der Jehmlich-Orgel (opus 808) auszuprobieren oder einen Blick in das Innenleben zu werfen. Andere genossen bei herrlichem Wetter das gemeinsame Kaffeetrinken im Kirchengarten.

Trotz zahlreicher Aktivitäten in der Öffentlichkeit, in den Kindergärten, in den christlichen Gemeinden und im gesamten Umfeld der „Perle des Vogtlandes“ – so wird die Stadt Greiz auch bezeichnet – hätten sich die Organisatoren über mehr Resonanz gefreut.

Priester Uwe Schneider, einer der Organisatoren, berichtete vor dem Abschlusskonzert über einige interessante Details des Werdeganges der Greizer Jehmlich-Orgel, die bereits 1958 von der Kirchenverwaltung bestellt und im Jahr 1962 fertiggestellt worden war. Manche Probleme der Materialbereitstellung und Materialeinsatzverbote sowie ständige Preissteigerungen, technische Änderungen und Terminverschiebungen prägten diese Zeit, bis das Werk fertig an die Gemeinde Greiz übergeben werden konnte. In den 50 Jahren haben bisher 24 ehrenamtlich tätige Spieler in den Gottesdiensten und sonstigen Veranstaltungen im Gemeindezentrum die Orgel erklingen lassen. Zurzeit wechseln sich 6 Orgelspieler aus der Gemeinde ab, worunter eine Orgelspielerin ist, nämlich Glaubensschwester Gudrun Smollich. Sie gehörte bereits 1962 zu den ersten drei Spielern, die durch den damaligen Kantor A. Schäufler aus der Greizer ev.-luth. Stadtkirche eine Ausbildung erfahren haben.

Das abschließende Concerto festivo – konzertante Orgelmusik aus drei Jahrhunderten mit Werken von Bach bis hin zu neuzeitlicher Orgelmusik, z. B. von D. Blum oder W. Rumpf – gestaltete wiederum Stefan Kothner, der selbst eine umfassende Organistenausbildung durchlaufen hat. Dieser feierliche Ausklang krönte den Festtag.

Text: U.S / Fotos: R.G./U.S.